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Verwaltung stellt Weichen für zukunftsfähige Bibliotheken

8. November 2017
Die Ideen für die ZUkunftüge gestallt des Stadtbibliothek haben bereits gestallt angenommen. Fotos: Stadt Wolfsburg
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Wolfsburg. Erlebnis- und Lernräume gewinnen zunehmend an Bedeutung. Die Vision für die Wolfsburger Stadtbibliothek soll die Antwort bieten auf die Digitalisierung des Medienkonsums. Das Bibliotheksprofil 2022 beinhaltet ein breit angelegtes Änderungskonzept.

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Die Ausleihzahlen bei gedruckten Büchern sinken in Deutschland seit einigen Jahren, gleichzeitig kommen aber immer mehr Menschen in die Bibliotheken. Denn oft sind sie der einzige öffentliche Raum einer Stadt, in dem man sich in angenehmer Atmosphäre kostenlos aufhalten kann.

Wenn man die Bibliothek der Zukunft betritt, dann sieht man keine Regale, sondern ein großes Foyer mit vielen übergroßen Flachbildschirmen. Sie zeigen das Veranstaltungsangebot – und das, was hier schon stattgefunden hat: ein Drohnenflugwettbewerb, ein Fußballturnier auf einem virtuellen Spielfeld, das auf den Fußboden der Kinderabteilung projiziert wird, eine Schreibwerkstatt, ein Hacker-Treff, eine Kunstinstallation, Poetry Slam und Lesungen.

Laut geht es zu, es darf gelacht und geredet werden

Die Hälfte der Bibliotheksfläche steht als unverplanter Raum zur Verfügung. Gruppen können kostenlos abgetrennte Bereiche mieten. Gemütliche Sitzecken laden die Besucher und Besucherinnen ein. Bücher werden nicht mehr das einzige Erkennungsmerkmal einer Bibliothek sein. Heute trägt doch schon jeder eine Bibliothek mit sich herum. Das Smartphone enthält mehr Informationen als die 120.000 Bücher, die es in der Stadtbibliothek zwar noch gibt, aber in Nebenräumen. Eine Bibliothek muss heute etwas bieten, was im Netz nicht zu finden ist, um viele Menschen zu erreichen. Und Bibliothekare sind dank automatisierter Buchausleihe und Rückgabe nicht mehr hinter Theken mit der Buchausgabe und Rücknahme beschäftigt, sondern Kommunikationsexperten und Lernbegleiter, die in der Bibliothek die Menschen ansprechen und deren Ideen unterstützen.

Wissen teilen, Menschen zusammenbringen

Auf die Nutzerinnen und Nutzer wartet eine Nähwerkstatt. In einem Computerraum werden Programmierkurse angeboten, Kinder daddeln an Spielekonsolen, in einer Sitzecke wird gestrickt. In der offenen Werkstatt, die durch die Volkshochschule angeboten wird, wachsen Ideen. Die Zeiten des einsamen Tüftlers sind vorbei. Akteure werden selbst kreativ und teilen ihr Wissen mit anderen. Sie nutzen dazu innovative Technik und IT Wissen. Menschen aller Altersgruppen beteiligen sich und der Do-it Yourself-Gedanke erobert immer wieder neue Aktionsfelder. Neben der Vinylbar, den Gitarren und dem Podcast Aufnahmeequipment gibt es die Virtual-Reality-Brille, Oculus­Rift, ein Vinyl-Schneideplotter sowie einen 3D-Drucker und die Filmbar, an der eigene VHS-Kassetten digitalisiert werden können. Es geht darum, Wissen zu teilen und Menschen zusammenzubringen. Am Sonntag öffnen Bibliotheken, wenn die Menschen Zeit haben – und das ist eben vor allem am Wochenende.

Natürlich wird in der Bibliothek auch gelesen, es gibt einen extra abgetrennten Raum, es herrscht absolute Stille, gestört höchstens vom Tastaturgeklapper der Laptops. Gelesen wird auch dort immer öfter digital. Im Lernzentrum können neue Sprachen gelernt werden und Jugendliche sitzen in und vor der Jugendbibliothek lesen, lernen und spielen gemeinsam, arbeiten an Referaten und Hausarbeiten und erwerben unter Begleitung der Bibliothekare und des Medienzentrums des Bildungshauses Medienkompetenz. Eltern und Großeltern schätzen die großzügige Kinderbibliothek, die Platz bietet für Spiele, unterschiedliche Medien unter dem Motto: entdecken, lernen, kreativ sein. Die öffentliche Bibliothek in der Innenstadt und in den Stadtteilen verwandelt sich in offene Kommunikationsräume und bietet allen Altersgruppen den Zugang zu außerschulischer Bildung. Ganz klar, das ist eine Vision, aber sie macht deutlich, dass Bibliotheken heute viel mehr sind als der Ort in dem man sich ein Buch, eine CD oder einen Film ausleiht. Neue Herausforderungen erfordern neue Konzepte und Antworten.

Wissen, Information und Unterhaltung für alle

Ihren Auftrag, Wissen, Information und Unterhaltung für eine breite Bevölkerungsschicht, alle Altersstufen und Nationalitäten verfügbar zu machen, das ist der Auftrag der Bibliothek. In den letzten Jahren gab es insbesondere rund um die Idee des Bildungshauses am Klieversberg viele Diskussionen im Kulturausschuss um die notwendige Zukunftsausrichtung der Bibliothek. Und auch ohne Bildungshaus ist dies dringend erforderlich, um den Bildungsort Bibliothek für Bürgerinnen und Bürger zeitgemäß und attraktiv zu gestalten. Der Bildungshausausschuss hat sich in diesem Jahr intensiv mit der Notwendigkeit einer neuen Bibliothekskonzeption beschäftigt. Nach Berichten und Vorträgen und politischen Anträgen kommt nun die angekündigte Ratsvorlage. Die Stadtverwaltung schlägt dem Rat vor, bis zum Sommer 2018 ein für Wolfsburg machbares zukunftsorientiertes und eng mit den politischen Gremien abgestimmtes Bibliothekskonzept zu entwickeln.

Ein neues Nutzungskonzept für die Zentralbibliothek 

Das bedeutet ein neues Nutzungskonzept für die Zentralbiliothek im Alvar-Aalto-Kulturhaus für die nächsten fünf Jahre. Gleiches gilt für die Stadtteilbibliotheken, sie sind wichtige Einrichtungen mit Quartiersbezug und haben neben der Nutzung durch Kitas, Schulen, Bürgerinnen und Bürger eine kulturelle Bedeutung. Hier werden unter Einbeziehung der jeweiligen Gegebenheiten gemeinsam mit den Ortsräten und den Bürgern Konzepte entwickelt, die zum Beispiel auch Synergieeffekte mit anderen Stadtteiltreffpunkten oder Lernzentren in den Schulen berücksichtigen. „Auf dieser Basis wollen wir die Vision für Bibliotheken als attraktive Orte der Begegnung und des Lernens verwirklichen. Die anstehenden Veränderungen sind eine Investition in die Zukunft“, erklärt Birgit Rabofski, Leiterin des Bildungshauses.“

 

Die Ressourcen reichen derzeit nicht aus

Das bisherige Angebot mit Öffnungszeiten, aufsuchender Arbeit, Veranstaltungen und den neuen Herausforderungen, ist mit den derzeitigen Ressourcen nicht zu leisten. Das ist in den letzten Bildungshausausschüssen deutlich geworden. Gerade die Stadtteilbibliotheken waren in den letzten anderthalb Jahren von vielen Spontanschließungen betroffen und damit als Angebot für die Bürgerinnen und Bürger nicht verlässlich. Um aus einer Vision konkrete Konzepte zu entwickeln und dabei auch Bürgerinnen und Bürger zu beteiligen, werden zeitlich befristete Umstrukturierungen und eine Straffung des Veranstaltungsangebotes vorgeschlagen. Künftig soll die Zentrale nicht wie bisher an sechs Tagen in der Woche, sondern an fünf Tagen von Dienstag bis Samstag geöffnet haben. In den Stadtteilbibliotheken werden zwei Öffnungstage mit jeweils vier Stunden in der Woche garantiert. Die Lernzentren werden am Montagnachmittag sowie an einem weiteren Wochentag nicht von Mitarbeitern der Bibliothek geöffnet, können aber in Abstimmung mit den Schulen genutzt werden. Mit diesen Maßnahmen ist auch die Eröffnung des Lernzentrums im Schulzentrum Fallersleben möglich. Diese Regelungen sollen bis Sommer 2018 gelten. Mit anderen Raumkonzepten, digitalen Lösungen, wie beispielsweise die automatisierte Buchrückgabe ist eine Einschätzung für die notwendigen personellen Ressourcen besser möglich. Über das Konzept sowie die personelle und technische künftige Ausstattung, entscheidet in 2018 der Rat.

„Uns ist bewusst, dass bis Sommer 2018 hiermit Einschränkungen verbunden sind. Wir wollen das Nutzerverhalten gründlich analysieren und wollen mit dem Bibliotheksprofil unsere Bibliotheken als attraktive Orte der Begegnung und des Lernens erhalten und stärken“, so Iris Bothe Dezernentin für Jugend, Bildung und Integration. „Wir haben damit alle Chancen, vielen Menschen Bildung und Teilhabe auch in Zukunft zu ermöglichen.“ Weitere Informationen finden sie unter www.wolfsburg.de/stadtbibliothek.

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