Klimawandel: Schäden an Gewässern entgegenwirken

5. September 2019
Blaualgen, Keime, Fischsterben. Die Gewässer müssen geschützt werden. Wie kann das gelingen? Symbolfoto: Marvin König
Wolfsburg. Durch die warme Witterung und die geringen Niederschläge in den vergangenen zwei Jahren ist das Thema Wasser in Wolfsburg wie anderenorts zunehmend in den Fokus der Betrachtung geraten. Inzwischen hat ein Runder Tisch bei der Stadt Wolfsburg zu diesem Thema stattgefunden. Lösungsansätze für die künftigen Jahre und den Umgang mit Trockenperioden sollen hier erarbeitet werden. Die Stadt Wolfsburg berichtet in einer Pressemitteilung.

Durch zwei niederschlagsarme Sommer fehlen im Stadtgebiet seit Mai 2018 enorme Mengen Wasser im Naturkreislauf. Die Wolfsburger Entwässerungsbetriebe (WEB) betreibt vier Wetterstationen in der Stadt. Die Messwerte decken sich mit den Daten des Deutschen Wetterdienstes. Werden die Durchschnittsmonatsniederschläge der vergangenen 30 Jahre mit den tatsächlichen Niederschlägen der Monate Mai 2018 bis August 2019 verglichen, ergibt sich eine große Fahlmenge.

Irreperable Schäden

Die Folgen für den Naturhaushalt sind vielfältig. Am stärksten betroffen sind die Waldgebiete mit erheblichen irreparablen Schäden im Baumbestand. Die Fließgewässer wie Nordsteimker Graben und Hasselbach sind in weiten Teilen der Stadt trocken gefallen. Die Stillgewässer wie der Neue Teich und der Mühlenteich haben sich durch fehlenden Wasseraustausch und starke Erwärmung in eine unwirtliche Umgebung verwandelt.
Angesichts dieser Gesamtsituation hat sich im August ein „Runder Tisch“ zum Thema „Wasser in der Stadt Wolfsburg“ getroffen um das weitere Vorgehen abzustimmen. Beteiligt waren Vertreter der Naturschutzverbände Nabu und BUND, Vertreter des Landvolks als landwirtschaftliche Interessenvertretung, die Forstwirtschaft, die Fischereivereine sowie die städtischen Geschäftsbereiche Straßenbau und Projektkoordination, Grün und Liegenschaften, die untere Wasserbehörde und die untere Naturschutzbehörde der Stadt sowie die WEB.

Den Wasserhaushalt stärken

Einvernehmlich beschlossen wurde in einer von der Stadt Wolfsburg einzusetzenden Projektgruppe mittelfristige Vorhaben zum verstärkten Rückhalt von Niederschlagswasser in der Landschaft zu erarbeiten. Hierdurch soll der Wasserhaushalt der Stadt gestärkt und die Grundwasserneubildung gefördert werden. Um kurzfristige Lösungen zu ermöglichen wurde für die Themen „Rückhaltung in der Landwirtschaft“ (Leitung untere Wasserbehörde), „Planungsbereich Hehlinger Bach/Sonnenkamp“ (Leitung Geschäftsbereich Grün) und „Stillgewässerrevitalisierung“ (Leitung WEB) separate Arbeitsgruppen eingerichtet.

Wie kann nachhaltig geholfen werden?

Der witterungsbedingte Wassermangel führt in Verbindung mit den hohen Temperaturen zu einer kritische Lage in den Stillgewässern, die durch die Belüftung nur teilweise ausgeglichen werden kann. Das große Auftreten von Grün- und Blaualgen führt in den Nachtstunden zu einer starken Sauerstoffzehrung. Dadurch verschiebt sich im nächsten Schritt der pH-Wert in Richtung einer Lauge. Die Fische verenden entweder durch direkte Vergiftung oder durch eine Verätzung der Kiemen. Sie ersticken dann, obwohl Sauerstoff im Wasser vorhanden ist. Nachhaltig helfen können hier nur Regen und kühlere Temperaturen.
In dieser extremen Witterungslage kommt eine Besonderheit der Wolfsburger Teiche erschwerend hinzu. Sie sind nahezu alle künstlich im Rahmen der Stadtentwicklung als gewünschter stadtgestalterischer Baustein in Verbindung mit einer vorgeschriebenen Rückhaltefunktion für Starkregen errichtet worden. Die Teiche haben häufig keine Grundwasseranbindung, das heißt sie versickern ihr Wasser je nach Dichtung anteilig in den Untergrund. Ihr Wasseraustausch und damit ihre Vitalität sind vom Zufluss von Oberflächengewässern abhängig.

Grundwasserstände sind kritisch

Die Grundwasserstände sind auf dem niedrigsten jemals gemessenen Stand und scheiden als Ersatz für Oberflächenwasser aus. Aufbereitetes Trinkwasser, das ebenfalls aus dem Grundwasser gefördert wird, scheidet aus demselben Grund aus, es stammt nur aus einem anderen Grundwasserkörper der nicht unter Wolfsburg liegt. Angesichts der akuten Situation der Wolfsburger Teiche hat die Arbeitsgruppe „Stillgewässerrevitalisierung“ ihre Arbeit sofort aufgenommen und sowohl mögliche Akutmaßnahmen als auch die künftige Optimierung der Stillgewässer besprochen. Die Experten kommen zu dem Schluss, dass es neben der bereits laufenden zusätzlichen Belüftung allerdings keine weiteren sinnvollen Maßnahmen gibt, um die aktuelle Situation von außen sinnvoll zu beeinflussen.

Mögliche weitere eher langfristig wirkende Maßnahmen zur Verbesserung der Gewässergüte:

  • Wasserpflanzen fördern und einbringen
  • Uferzonen umgestalten, Röhricht-Zonen am Ufer einrichten
  • Vorbehandlung der Einleitungen
  • Prüfung eines Frühwarnsystems als Ergänzung der Überwachung durch die Angelvereine
  • Vorrüstung von Stromanschlüssen zur Notbelüftung ausgewählter Stillgewässer
  • Teichbelüfter bevorraten
  • Regelungen zum Fischbesatz gemeinsam mit den Naturschutzverbänden und den Angelvereinen festlegen
Medienpartner
Anzeigen
Veranstaltungen
Anzeigen
Kontakt zur Redaktion
Sie erreichen unsere Redaktion 24 Stunden am Tag, 7 Tage die Woche per
E-Mail: wolfsburg@regionalheute.de
und montags bis freitags von 9 Uhr bis 17.30 Uhr per
Telefon 05331 / 88 27-24