KZ-Außenlager: Erinnerungsorte schaffen

21. August 2017 von
Entscheidung gefallen: Ein Teil der Fundamente wird vor Ort erhalten, ein anderer Teil wird in einem Erinnerungsort integriert. Foto: Sandra Zecchino
Wolfsburg. Während der Sondersitzung des Rates trafen die Mandatsträger am heutigen Montag nach langen Diskussionen eine Entscheidung, was mit den Fundamentresten des KZ Außenlagers Laagberg geschehen soll, die Ende März freigelegt wurden. Ein Teil wird nun vor Ort erhalten und sichtbar gemacht. Zusätzlich soll eine Gedenk- und Bildungsstätte entstehen.

Die Zuschauerränge sind gut gefüllt. Viele junge Menschen – unter anderem aus dem 13. Jahrgang der Neuen Schule – sind gekommen, um mitzuverfolgen, welche Entscheidung der Rat trifft.

Seitdem bei archäologischen Grabungen die Überreste gefunden wurden, diskutieren Interessenverbände, Politiker und Wolfsburger intensiv, wie diese zum Gedenken an das Außenlager Laagberg des KZ Neuengamme erhalten werden sollen. Der bei der Sitzung angenommene Vorschlag stellt den erarbeiteten Kompromiss dar. Gleichzeitig ist er der Anfang eines Prozesses mit vielen Gesprächen – vor allem auch mit jungen Menschen – wie Oberbürgermeister Klaus Mohrs betonte.

Aus der Vergangenheit lernen

„Gedenkstätten zielen darauf, dass Menschen aus der Vergangenheit lernen“, hebt Dr. Detlef Garbe, Leiter der KZ-Gedenkstätte Neuengamme, hervor. Jedoch würden die Fundamente nicht für sich allein sprechen. Sie belegten zwar, dass die Geschichte an diesem Ort stattgefunden hätte, gleichzeig würde jedoch eine Informationsstätte benötigt, so Garbe weiter.

Und auch das allein reiche nicht aus. Mittelfristig müsse auch ein „Haus der Geschichte“ entstehen. Denn eine Stadt wie Wolfsburg, die so eng mit ihrer Nazivergangenheit verbunden sei, habe eine besondere Verantwortung, betonte Christoph Huebner, Vizepräsident des Internationalen Auschwitz Komitees. Dort könne und sollte nicht nur die NS-Vergangenheit aufgearbeitet werden, sondern auch die Nachkriegsgeschichte. „Die NS-Geschichte hört nicht 1945 auf“, so Huebner weiter.

„Zahlen wir gern“

Die meisten Fraktionen sind sich einig. „Ich gehöre noch zu der Generation, die in der Auseinandersetzung mit den Großeltern die Geschichte aufarbeiten konnte“, beschreibt Marco Meiners, Ratsmiglied der FDP, wieso eine Gedenkstätte notwendig sei. Die jungen Menschen könnten solche Gespräche nicht mehr führen und deshalb sei es wichtig, Erinnerungsorte zu schaffen.

Die Dimension des Lagers müsse verdeutlicht werden, betont Christa Westphal-Schmidt (SPD). Ein Zeugniss der Schreckensherrschaft müsse entstehen, formuliert Wilfried Andacht (CDU) die Notwendigkeit einer Gedenkstätte. Es müsse ein Ort geschaffen werden, der jeden davon überzeuge, dass die Vergangenheit nicht wiederholt werden dürfe, erläutert Sandra Staube (PUG) die Notwendigkeit einer Gedenkstätte. Den Opfern müsse ein Gesicht gegeben werden, beschrieb es Olaf Niehus (Die Grünen).

Lediglich Thomas Schlick (AfD) vertrat einen anderen Ansatz: „Als hätten wir in Deutschland noch nicht genug Gedenkorte.“ Man solle nicht in der Vergangenheit leben und die Zukunft dabei aus dem Blick verlieren. Schließlich entständen dadurch Kosten, die die Jugend tragen müsste, so Schlick weiter. Doch die scheint das nicht zu stören. Der Zwischenruf „Die zahlen wir gern“ einer jungen Zuschauerin erntete Applaus aus den Zuschauerrängen und von Teilen der Kommunalpolitiker.

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