Neue Ausstellung: „Zwischen Diktatur und Demokratie“

25. April 2018
Fast 100 Besucher kamen zur Ausstellungseröffnung am vergangenen Sonntag ins Hoffmann-Museum Foto: Hoffmann-von-Fallersleben-Museum/Peter Riewaldt
Wolfsburg. Das Hoffmann-von-Fallersleben-Museum zeigt die neue Sonderausstellung "Diktatur und Demokratie im Zeitalter der Extreme. Streiflichter auf die Geschichte Europas im 20. Jahrhundert", die vom Institut für Zeitgeschichte München-Berlin, der Bundesstiftung für die Aufarbeitung der SED-Diktatur und dem heutigen Deutschlandfunk Kultur erarbeitet und herausgegeben wurde.

Wie die Stadtverwaltung heute in einer Pressemitteilung berichtet, erzählt die Ausstellung Europas 20. Jahrhundert als dramatische Geschichte zwischen Freiheit und Tyrannei, zwischen Demokratie und Diktatur.

Mehrere Jubiläen 2018

Sie lädt ein zu einer historischen Ortsbestimmung, denn in diesem Jahr haben mehrere entscheidende historische Ereignisse Jubiläum: Der Erste Weltkrieg endete vor 100 Jahren, die erste deutsche Demokratie – die Weimarer Republik – entstand Ende 1918, vor 75 Jahren leisteten die noch im Warschauer Ghetto verbliebenen Juden in einem zweimonatigen Aufstand Widerstand gegen ihre Deportation in die Vernichtungslager. Und 1968 wurde geprägt von den Studentenrevolten in Westeuropa sowie dem Mut des tschechoslowakischen Volkes im Prager Frühling. Aber auch die Oktober Revolution feierte erst im vergangenen Jahr 100. Jubiläum und 2019 wird es 30 Jahre her sein, dass der Eiserne Vorhang fiel.

Auf 26 Tafeln werden rund 190 zeithistorische Fotos sowie 24 historische Tondokumente, die mit internetfähigen Telefonen via QR-Codes abgerufen werden können, präsentiert. Objekte aus der Sammlung des Stadtmuseums ergänzen die Darstellung der europäischen Entwicklungslinien und setzen so die Wolfsburger Stadtgeschichte in diesen Kontext.

Warum nun zeigt das Hoffmann-Museum diese Ausstellung im Obergeschoss des Schlosses Fallersleben? Die Ausstellung bietet einen guten Ansatz, um einzelne Aspekte dieser Gesamtschau in Verbindung mit dem politischen Engagement Hoffmanns im 19. Jahrhundert näher zu betrachten, auf Besonderheiten aufmerksam zu machen und Zusammenhänge zwischen den Ereignissen aufzuzeigen. Hoffmann von Fallersleben erhob seine Stimme und schrieb gesellschaftskritische Liedtexte, die einerseits wegen ihrer gesellschaftskritischen Offenheit beim bürgerlichen Publikum große Popularität genossen und andererseits wurde Hoffmann von Fallersleben genau wegen dieser Texte von der preußischen Obrigkeit mit Arbeitsverbot und in zahlreichen deutschen Ländern mit dem Entzug des Aufenthaltsrechts, mit Bespitzelung sowie Verfolgung bestraft. Hoffmann von Fallersleben war im Vormärz eines der bekanntesten Opfer der obrigkeitsstaatlichen Zensurpolitik infolge der Karlsbader Beschlüsse von 1819, wonach freie Meinungsäußerung unmöglich sein sollte.

Sensibilisierung für Demokratie

Durch einerseits das Resümee der Ausstellung und andererseits die Detailbetrachtung im Begleitprogramm soll für unsere freiheitlich-liberale Grundordnung und das Geschenk der Europäischen Union, beide sind keine Selbstverständlichkeit, sensibilisiert werden. Denn populistische Tendenzen, die dem Grundprinzip der Rechtsstaatlichkeit als Rückgrat der Demokratie widersprechen, sind derzeit auch in Mitgliedsstaaten der Europäischen Union zu erkennen.

Daher möchte das Hoffmann-Museum, unterstützt vom Lüneburgischen Landschaftsverband, mit dieser Ausstellung und einem vielfältigen Begleitprogramm aus der historischen Perspektive auf die Gegenwart schauen und fragen, was uns Deutsche und Europäer heute die von Hoffmann im 19. Jahrhundert angemahnten Werte von „Einigkeit und Recht und Freiheit“ bedeuten, wie wir sie leben.

Vielfältiges Rahmenprogramm

So wird es am Sonntag, dem 1. Juli um 15 Uhr einen musikalischen Ausstellungsrundgang unter anderem mit Gesa Gal geben, auf dem die Bedeutung der Musik, der „Wind of Change“ für die Geschichte Europas im 20. Jahrhundert genauer betrachtet wird. Dichter und Schriftsteller wie Alexander Solschenizyn, Albert Camus, Imre Kertesz, Wislawa Szymborska, Heinrich Böll oder Vaclav Havel erinnerten in ihren Werke an die Ereignisse von einst wie wir heute auch die lyrischen Texte Hoffmanns als historische Zeugnisse lesen.

Auf Themenrundgängen am 19. August und 7. Oktober um jeweils 15 Uhr sind Beispiele zu hören. Vorträge und Zeitzeugengespräche sowie spezielle Workshops für Schulen runden das Programm ab.

Zum Auftakt zu dieser besonderen Betrachtung unserer europäischen Geschichte im 20. Jahrhundert ist am 8. Mai, dem Tag der Befreiung, um 19.30 Uhr Anita Lasker-Wallfisch zu Gast. Im Gartensaal von Schloss Wolfsburg spricht die Cellistin aus dem sogenannten „Frauen-Orchester von Auschwitz“ über ihr Leben, ihre Erfahrungen und die Kultur des Erinnerns. Diese Lesung mit Podiumsgespräch organisiert das Hoffmann-Museum gemeinsam mit dem Stadtmuseum, dem Luis Spohr Musikforum Braunschweig und dem Wolfsburger Verein „Erinnerung und Zukunft“. Hierfür sind Anmeldungen unter Telefon 05361-2810 40 oder per Mail an stadtmuseum@stadt.wolfsburg.de erforderlich.

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