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Vorgeschichtliche Siedlung? Hinweise im Hochuferbereich der Aller

7. Juni 2018
Die Grabungsleiterin beschreibt einen archäologischen Befund auf einem Datenblatt
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Wolfsburg. Seit Februar dieses Jahres finden im Gewerbegebiet Warmenau Ost im Zusammenhang mit einem Neubauvorhaben der Firma Schnellecke archäologische Ausgrabungen statt. Erste Suchschnitte erbrachten nach Informationen der Stadt eine Vielzahl von Befunden, die auf eine ausgedehnte vorgeschichtliche Siedlung hinwiesen.

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Diese archäologischen Spuren wurden ab März wissenschaftlich untersucht. Dafür musste zunächst der Oberboden in einer Stärke von 30 bis 50 Zentimeter maschinell abgetragen werden. Die Bodendenkmale werden von einem Grabungsteam per Hand freigelegt, gezeichnet, fotografiert, vermessen und beschrieben.
Insgesamt konnten so rund 350 Befunde entdeckt und untersucht werden. Die Siedlung liegt im Hochuferbereich der Aller, das Untersuchungsareal deutet darauf hin, das sie mindestens 20.000 Quadratmeter umfasste. Pfostengruben, die sich zu Reihen und Rechtecken zusammenfassen lassen, geben Hinweise auf die Gebäude der ehemaligen Siedlung in Warmenau Ost.

Das Fundmaterial zeigt den Alltag der Bewohner. Mehrere Bruchstücke von Web-Gewichten und Spinnwirtel sind Spuren von textilen Arbeiten wie Weben und Garnherstellung. Bruchstücke von Tongefäßen gehörten einst zum Koch-, Ess- und Trinkgeschirr sowie zu Vorratsgefäßen. Auffällig war weiterhin ein steinerner Stößel zum Zerkleinern.

Das größte Rätsel geben bisher 22 Gruben auf, die offenbar absichtlich mit Steinen verfüllt wurden. Hierbei handelt es sich um faust- bis fußballgroße Steine, welche keinerlei offensichtliche Gebrauchsspuren aufweisen, wie sie zum Beispiel bei Hitzeeinwirkung entstehen würden. Ob es sich um Überreste von handwerklicher Produktion oder bestimmter Nahrungsmittelherstellung handelt, können nur weitere naturwissenschaftliche Untersuchungen klären.

Zwischen dem Ende der Bronzezeit und dem Anfang der römischen Kaiserzeit

Die zeitliche Einordnung des keramischen Materials deutet darauf hin, dass die Siedlung zwischen dem Ende der Bronzezeit und dem Anfang der römischen Kaiserzeit – also etwa von 700 vor Christus bis Christus Geburt – bewohnt war. Ob die Siedlung dauerhaft Bestand hatte oder der günstige Siedlungsplatz in dieser Zeit immer wieder aufgesucht wurde, kann bisher nicht eindeutig beantwortet werden. Das Besondere für die Wolfsburger Archäologie ist, dass mit der Siedlung in Warmenau Ost erstmals Pfostengruben eisenzeitlicher Hausbefunde mit modernen Methoden untersucht werden konnten.

Die Funde werden nach Abschluss der Geländearbeiten Mitte Juni gewaschen, beschriftet und magaziniert. Ein wissenschaftlicher Grabungsbericht wird erstellt. Anschließend werden die Grabungsergebnisse an die Untere Denkmalschutzbehörde zur weiteren Auswertung übergeben.

An der Stelle plant die Albertus GmbH & Co. KG auf dem rund 58.000 Quadratmeter großen Grundstück die Errichtung eines Distributions- und Montagezentrums. Neben etwa 26.000 Quadratmeter Hallenfläche sollen ein überdachtes Außenlager, Büroflächen im Mezzaninbereich und LKW-Parkflächen entstehen. Baubeginn soll im August 2018 sein, damit eine Nutzung ab Mitte 2019 gewährleistet ist. Eine verkehrstechnisch gute Anbindung und die unmittelbare Nähe zum VW-Werk machen diesen Standort sehr attraktiv.

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